SÖS LINKE PluS

Stadt für Menschen

Der Vision einer lebenswerten Stadt, in der sich Kinder und Erwachsene ungefährdet, entspannt und barrierefrei bewegen können, steht die ernüchternde Realität gegenüber: Wir ersticken im Verkehr – Parkhäuser, Shopping-Malls und Straßenschluchten zerstören den Raum. Hinzu kommt, dass Reiche die Umwelt durch überproportionalen Pkw-Besitz mehr verschmutzen, Arme dafür mehr darunter leiden, da sie häufiger an stark befahrenen Straßen wohnen.

Politik muss Mobilität nach ökologischen und sozialen Kriterien gestalten. Die Infrastruktur für Schiene, öffentlichen Nahverkehr und Fahrrad muss ausgebaut, Kfz-Verkehr verlangsamt, verteuert und eingeschränkt werden. Auch neue Antriebstechnologien lösen die Probleme nicht: Der ökologische Rucksack von Elektroautos ist schwer und auch sie beanspruchen zu viel öffentlichen Raum, belasten die Umwelt mit Mikroplastikteilen aus Reifenabrieb, ganz zu schweigen von der Entsorgung ausgedienter hochgiftiger Batterien.

Große Städte wie Helsinki, Madrid oder Paris verbannen schon heute Autos aus ihren Zentren. Zukünftige Fahrverbote in Stuttgart sind das Ergebnis eines jahrzehntelangen Politikversagens.

In der Studie Mobiles Baden-Württemberg wird gezeigt, dass zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens der Pkw-Verkehr bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent reduziert werden müsste. Bereits eine nur 20prozentige Verkehrsreduktion in Stuttgart bedeutet heute, dass wir doppelt so viel Metropol-Expresszüge und 50 Prozent mehr S-Bahn-Kapazitäten benötigen! Der Ausbau des Schienennetzes muss daher jetzt beginnen, da bis zur Fertigstellung neuer Linien viele Jahre vergehen. Das Schienenrückbau-Projekt Stuttgart 21 ist sofort zu stoppen. Umstieg 21 dagegen ist zukunftweisend, da es unter anderem mit S-Bahn-Ringschluss auf den Fildern, dem Betrieb von Panorama- und Schusterbahn Schienenkapazitäten erhöht.

Die Finanzierung der teuren Verkehrswende könnte aus einer Luftreinhalte- und einer Nahverkehrsabgabe erfolgen. Das 365-Euro-Ticket und die Tarifreform sind ein Anfang. Unser Ziel ist und bleibt ein solidarisch finanzierter, ticketloser Nahverkehr.

Die Stadt-, Raum- und Verkehrsplanung muss Wege reduzieren, Energie, Ressourcen und Verkehrsflächen einsparen und lebendige Quartiere mit kurzen Wegen, Nahversorgung, Gewerbe, Schulen und Parks für Erholung schaffen. Dazu bedarf es einer völlig neuen Planungskultur und es setzt klare Zielvorgaben seitens der Verwaltungsspitze voraus: Schiene, Bus, Rad- und Fußverkehr müssen absolute Priorität haben!