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Gebhard-Müller-Platz und B14: Missstand zementiert

Der tosende Verkehr auf der teilweise bis zu zehnspurigen B14-Stadtautobahn ist ein Relikt der autogerechten Stadt alter Zeiten. Unter dem Motto „Platz-da!“ fordern wir mit Picknicks, Spielaktionen und Demos schon lange den Rückbau und wir freuen uns, dass auch das Kinderbüro das Motto „Platz-Da!“ inzwischen übernommen hat.

Nun fasste im September 2019 sogar die Mehrheit des Gemeinderats den Beschluss, dass beim B14-Wettbewerb Lösungen gesucht werden, wie die Verkehrsfläche der Stadtautobahn B14 um die Hälfte reduziert werden kann. Das wäre ein echter Erfolg, wenn sich der Gemeinderat mit seinen Beschlüssen selbst ernst nehmen würde.

Nun hat aber eine bürgerliche Mehrheit des Gemeinderats mit Zustimmung des Oberbürgermeisters, der SPD und Grünen am Gebhard-Müller-Platz eine Kehrtwende in die stadtplanerische und verkehrspolitische Steinzeit vollführt. Für mindestens 50 Millionen Euro soll die Unterfahrung des Platzes verlängert werden, was eine alte ‚Idee‘ von Anfang 2000 war. Damit wird nicht nur der B14 Wettbewerb ad absurdum geführt, sondern die autogerechte Stadtplanung der vergangenen Jahrzehnte im wahrsten Sinne des Wortes zementiert. Eine große Chance ist verspielt worden, eine der größten Wunden der autogerechten Stadt zu heilen. Die trennende Wirkung zwischen Oper und Staatsgalerie bleibt somit erhalten. Nur der bisher unverschämt geringe Platz für zu Fußgehende und Radfahrende soll ein klein wenig verbessert werden. Das ist alles andere als eine zukunftsweisende Verkehrspolitik!

Mit dieser Entscheidung hat der Gemeinderat auch die Zielbeschlüsse zur lebenswerten Innenstadt und zum Radentscheid komplett ignoriert. Damit entfällt nicht nur ein wesentlicher Baustein für eine ökologische Verkehrswende, sondern auch Planungsoptionen für eine städtebaulich und finanziell verträgliche Opernsanierung werden massiv eingeschränkt.