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Gemeinderat lehnt Klimanotstand ab – Realitätsverweigerer und Postfaktiker

„Mit der Ablehnung unseres Antrags zum Klimanotstand isoliert sich Stuttgart auf eine ungute Art“, kritisiert Stefan Urbat, der bereits im März den ersten Antrag auf Klimanotstand für die Fraktionsgemeinschaft formuliert hat.

„Stuttgart hatte die Chance, als erste Großstadt in Deutschland den Klimanotstand auszurufen – wenn unser Antrag zügig beraten und abgestimmt worden wäre. Stattdessen macht sich Stuttgart bundesweit lächerlich“, ergänzt Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch und legt nach: „Auf der einen Seite erkennen Oberbürgermeister und die Mehrheit des Gemeinderats an, dass das Weltklima in Not sei – dann aber so zu tun, als gelte das nicht für Stuttgart, ist vollkommen absurd.“

Kritik an den Grünen – Image der Klimapartei in Stuttgart zerkratzt

„Dass gerade die Grünen, die sich überall als Klimapartei inszenieren, in Stuttgart den Klimanotstand ablehnen, ist geradezu grotesk. Wer behauptet, das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten und es ausreichen würde bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein zu wollen, ist ein Postfaktiker. In diese Reihe haben sich die Grünen hier in der Stadt mit ihrer heutigen Entscheidung gestellt“, konstatiert Stefan Urbat, der sich auch bei den Scientists for Future in Stuttgart engagiert. „Das 1,5-Grad-Ziel ist nur noch mit dem Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2030 zu erreichen, das ist in der Wissenschaft vollkommen unstrittig“, so Urbat weiter.

Verpasste Chance – Postfaktiker auch in Stuttgart

„Mit dem Klimanotstand – oder einer Klimanotlage oder dem international geläufigen Climate Emergency – hätte Stuttgart die Chance gehabt, neben dem Klimaschutzprogramm ein Zeichen zu setzen, die Dringlichkeit von einem Kurswechsel anerkennen können. Damit hätte sich die Stadt einen Klimavorbehalt auferlegt und zum Ziel erklärt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Diese Chance wurde vertan – Zeit zum Überlegen war nun wirklich genug. Über sechs Monate ist unser erster Antrag her – wer auch nach so viel Zeit noch immer nicht verstanden hat, dass der Klimanotstand Realität ist, der handelt grob fahrlässig und nimmt unabsehbare Konsequenzen in Kauf“, kritisiert Hannes Rockenbauch.

Klimaneutral 2030 ist Pflicht

„Das Schlimmste ist, dass Stuttgart sich noch 30 Jahre Zeit lassen will, bis es klimaneutral sein will. Die Wissenschaft sagt und ganz klar: wir haben noch zehn Jahre, dann müssen wir klimaneutral sein. Dies einfach zu ignorieren ist brandgefährlich, verantwortungslos und nur mit postfaktischen Sichtweisen zu erklären“, so Stefan Urbat abschließend.

Chronologie Klimanotstand

  • Februar 2019: Basel ruft den Klimanotstand aus (71 Ja-Stimmen zu 17 Nein-Stimmen bei 6 Enthaltungen
  • März 2019: Erlangens Bürgerversammlung fordert den Gemeinderat auf, den Klimanotstand auszurufen (99% Zustimmung)
  • 1. Mai 2019: Britisches Unterhaus ruft den Klimanotstand aus (einstimmig)
  • 2. Mai 2019: Konstanz ruft den Klimanotstand aus (einstimmig)
  • 9. Mai 2019: Irland ruft den Klimanotstand aus
  • 15 Mai 2019: Ludwigslust ruft den Klimanotstand aus
  • 15 Mai 2019: Ludwigsburger Grüne fordern Klimanotstand, OB Werner Spec zeigt sich offen dafür
  • 15. Mai 2019: Grüne in Herzogenaurach beantragen, Klimanotstand auszurufen sowie eine Bürgerversammlung zum Thema Klimaschutz auszurufen
  • 16. Mai 2019: Kiel ruft als erste Landeshauptstadt den Klimanotstand aus
  • 23. Mai 2019: Münster ruft den Klimanotstand aus
  • 29 Mai 2019: Erlangen ruft den Klimanotstand aus
  • 17.Juni 2019: Kanada ruft den Klimanotstand aus
  • 25. Juni 2019: Sidney ruft den Klimanotstand aus
  • 26.06.2019: New York City ruft den Klimanotstand aus
  • 27. 06.2019: Frankreich ruft den Klimanotstand aus
  • 28.06.2019: Marburg ruft den Klimanotstand aus
  • 3.07.2019: Lippstadt ruft den Klimanotstand aus
  • 4.07.2019: Düsseldorf ruft den Klimanotstand aus
  • 4.07.2019: Bonn ruft den Klimanotstand aus
  • 4.07.2019: Düren ruft den Klimanotstand aus
  • 4.07.2019: Krefeld ruft den Klimanotstand aus
  • 9.07.2019: Köln ruft den Klimanotstand aus
  • 11.07.2019: Bielefeld ruft den Klimanotstand aus
  • 11.07.2019: Gelsenkirchen ruft den Klimanotstand aus
  • 16.07.2019: Karlsruhe ruft den Klimanotstand aus
  • 17.07.2019: Argentinien ruft den Klimanotstand aus
  • 13.08.2019: Landau ruft den Klimanotstand aus
  • 14.08.2019: Potsdam ruft den Klimanotstand aus
  • 29.08.2019: Trier ruft den Klimanotstand aus
  • 17.09.2019: Spanien ruft den Klimanotstand aus
  • 25.09.2019: Österreich ruft den Klimanotstand aus
  • 25.09.2019: Mainz ruft den Klimanotstand aus
  • 28. November 2019: EU-Parlament ruft den Klimanotstand aus
  • 10.Dezember 2019: Berlin ruft die Klimanotlage aus
  • Dezember 2019: München ruft den Klimanotstand aus
  • Dezember 2019: Stuttgart lehnt den Klimanotstand ab