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Die postfaktische Grenzwertdebatte

Auf den ersten Blick kommt man ins Nachdenken bei der Nachricht: 112 Ärzte üben scharfe Kritik an den Grenzwerten für die Luftschadstoffe Feinstaub und Stickoxid. Dass sich unter den Initiatoren ein bekannter Entwickler von Dieselmotoren befindet, der Ingenieur Thomas Koch, scheint kaum jemandem aufgefallen zu sein. Der Verdacht, dass die Autolobby das Thema Grenzwerte auf diesem Wege zu beeinflussen versucht, wird in der Öffentlichkeit leider viel zu wenig beleuchtet. Was bleibt von den Thesen der Ärzte? Eine kompetente Antwort liefert der Schweizer Experte für Gesundheitsrisiken durch Luftschadstoffe, Nino Künzli. „Es gibt keinen Expertenstreit, es gibt höchstens Laien wie Prof. Köhler (der die Initiative der deutschen Lungenfachärzte angestoßen hat, Anm. d. Red.), die ihre Meinung aus dem Bauch heraus kundtun.“ Künzli merkt kritisch an: „Kein einziger Name hat jemals wissenschaftlich gearbeitet“.

Die Grenzwert-Diskussion ist ebenso widersprüchlich und absurd, wie das Verhalten der CDU: Sie hat die Messstelle am Neckartor seinerzeit aufgestellt und der damalige Oberbürgermeister Schuster (CDU) sagte: „Es besteht kein Grund, die Messstelle zu verlegen.“ Die einstige CDU-Umweltministerin Merkel hat zwar die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide unterzeichnet, doch ihre Partei war federführend bei der Politik des Nichtstuns gegen die gefährlichen Luftschadstoffe. Neben dem politischen Totalversagen, auch der grün geführten Landesregierung, gehen die Betrügereien der Autoindustrie völlig unter. Die Zeche bezahlen die betroffenen Bürger_innen, die einen alten Diesel haben. Unser Vorschlag: wenn die Betroffenen ihr Auto abmelden, sollen sie kostenlos den ÖPNV nutzen dürfen!