SÖS LINKE PluS

Stuttgart auf dem Weg zur nachhaltigen Pflege des Waldes

Wir beantragen:

  1. Der Holzeinschlag nach der geltenden Forsteinrichtung wird bis auf weiteres gestoppt. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt erarbeitet eine Übergangsstrategie zur Waldbewirtschaftung mit der Zielsetzung, die Massivität des Holzeinschlags und der Waldbodenschädigung zu reduzieren und Naherholungsflächen zu schonen, bis der Rat eine neue Forsteinrichtung beschließt. Die im Doppelhaushalt hinterlegten Umsätze aus Holzeinschlag dürfen unterschritten werden.
  2. Zu den kleinen Stellenplanberatungen legt das Referat T einen Beschlussantrag vor, wie die Abteilung Forst personell in die Lage versetzt werden kann, eine schonendere Waldbewirtschaftung sicherzustellen.
  3. Zur Weiterentwicklung der Waldstrategie hin zu einem Waldpflegekonzept wird ein Beirat einberufen, an dem alle involvierten Akteure aus dem Umwelt- und Naturschutz, die städtischen Ämter sowie Stuttgarter Bürgerinitiativen teilnehmen und Anregungen äußern können.
  4. Das Garten- Friedhofs- und Forstamt stellt dar, welche organisatorischen, personellen und haushalterischen Grundlagen zu schaffen und wie die Liegenschaften der Abteilung zu ertüchtigen sind, um die
  5. a) für eine natürliche Waldentwicklung vor Einschlag geschützten städtischen Waldflächen von derzeit 4,1 Prozent auf 16,6 Prozent zu erhöhen
  6. b) Bewirtschaftung der restlichen 83,4 Prozent des städtischen Waldes anhand naturnaher Kriterien mit weniger Holzeinschlag sicherzustellen
  7. c) strategischen, die Optimierungs- und Vermeidungs-Maßnahmen in den Wald-Biotoptypen im neuen Artenschutzkonzept umsetzen zu können.
  8. d) Erholungseinrichtungen im Stadtwald nachhaltig in einen Zustand zu versetzen, dass Sperrungen künftig nicht mehr nötig sind und eine durchgängige Nutzbarkeit gewährleistet ist.

Ferner bitten wir die Verwaltung um Auskunft:

  1. Welche organisatorischen Schritte innerhalb der Abteilung Forst müssen zu welchem Zeitpunkt erfolgen, um den kartellrechtlichen Vorgaben zur Holzvermarktung zu begegnen?
  2. Wie kann die Stadt bei einer organisatorischen Trennung von Stadt- und Staatswald künftig gestalterischen Einfluss auf letzteren nehmen, insb. im Hinblick auf Erholungseinrichtungen in diesen Waldflächen?
  3. Wie kann die Holzernte schonender erfolgen und auf den Einsatz von Großmaschinen verzichtet werden? Insbesondere die Nutzung von Seilwinden und Rückepferden soll untersucht werden. Auch wollen wir wissen, ob und unter welchen Bedingungen ein Geräte- und Maschinenpool in Zusammenarbeit mit dem Staatsforst und privaten Waldeigentümern geschaffen werden kann um Kosten zu reduzieren.
  4. Unter welchen Maßgaben findet bisher eine Bejagung im Stuttgarter Forst statt? Welche ökologischen Kriterien und Auflagen finden hier Anwendung?

Begründung:

Die großflächige Durchforstung von Waldflächen sowie der Einsatz schwerer Maschinen trifft in der Bevölkerung auf immer größeren Widerstand. Auch wenn zunehmend nachhaltige und ökologische Kriterien in die Bewirtschaftung des städtischen Waldes Einzug finden, so bleibt Stuttgart doch weit hinter den Möglichkeiten einer schonenden und naturnahen Pflege des Waldes zurück.

Der städtische Wald hat neben seinem ökonomischen Wert auch eine wichtige Rolle als Ökosystem, für das Stadtklima, als Kohlenstoffspeicher und als Naherholungsgebiet für die Bewohner unserer Stadt. Diese Funktionen gilt es, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und einer sich verändernden Flora und Fauna, in Einklang zu bringen.

Eine Möglichkeit für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung stellt der Bericht „Wenn Wälder wieder wachsen“ des Ökoinstituts im Auftrag von Greenpeace dar (Greenpeace 2018). Das darin beschriebene Szenario der ökologischen Bewirtschaftung sieht vor, die vor Holzeinschlag und anderen Eingriffen geschützte Fläche von derzeit 4,1 auf 16,6 Prozent zu erhöhen und den restlichen Bestand naturnah und schonend zu bewirtschaften. Der Vorteil einer solchen ökologischen Waldnutzung liegt erstens in einer deutlich höheren Speicherfähigkeit von CO2 durch die Bäume (ca. dreimal so viel wie derzeit). Dies kann ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der Klimaschutzziele Stuttgarts sein. Zweitens bieten die vor menschlicher Einwirkung geschützten Waldflächen Refugien für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, in denen sich neue Lebensräume entwickeln können. Folglich eine wichtige Funktion für die Biodiversitätsstrategie Stuttgarts.

Quellen:

Greenpeace, Februar 2018. „Wenn Wälder wieder wachsen. Eine Waldvision für Klima, Mensch und Natur.“ Der Bericht basiert auf der Studie: Waldvision Deutschland, Beschreibung von Methoden, Annahmen und Ergebnissen, Öko-Institut e.V. 2018, im Auftrag von Greenpeace